Pfarrer Blog

26. Sonntag Jahr A-Predigt

26. Sonntag im Jahreskreis A, Pfungen, 26. September 2020

Das Verhalten des Herren sei nicht richtig (Ez 18, 25)

Liebe Mitchristen,

Vorigen Sonntag haben wir schon vom babylonischen Exil des Volkes Israel geredet. Heute setzt der Prophet Ezechiel damit fort. Die Jahre der Israeliten in Gefangenschaft und im Exil sind Jahre der Krise in Bezug auf den Glauben. Das Volk stellt sich viele Fragen im Exil. Nämlich warum mussten wir ins Exil gehen und wer ist schuld daran? Etwa sie selbst oder ihre Vorfahren? Sie meinen, wenn Gott mit dem Exil die Söhne für die Schuld ihrer Väter bestraft und sie jetzt dort sterben lässt, dann ist dieser Gott ein ungerechter Gott! Natürlich, wenn man deportiert und gedemütigt wird und desorientiert ist, dann kann die Antwort auf manche persönliche Frage nicht richtig sein, weil man irgendwie verblendet ist. Das Volk Israel glaubt daran, dass Gott sie kollektiv bestraft, weil sie aus dem Hause Israel sind und dafür, dass ihre Väter den Bund mit Gott nicht gehalten haben. Sie zitieren dazu den Vers von Ezechiel 18,2 „Die Väter essen saure Trauben und den Söhnen werden die Zähne stumpf“. Das ist der Grund, warum sie Gott für ihr Schicksal verantwortlich machen.

Im Alltag begegnen wir immer wieder Menschen und Erwachsenen, die keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen, sondern die Schuld auf andere schieben. Und genau so war es hier mit dem Volk Israel auch. Doch so einfach ist dies nicht und dafür tritt der Prophet Ezechiel auf. Er lenkt ihre Gedanken auf sie selbst und ihr Tun. Er sagt ihnen, dass das Familienband zwar eng ist, doch die Eltern sind nicht verantwortlich für das Verhalten und Tun ihrer Kinder oder auch umgekehrt. Jeder ist für sein Verhalten und Tun selber verantwortlich. Ein Vater muss nicht für das Tun seines Sohnes mittragen, sofern dieser erwachsen ist und auf eigenen Beinen steht und selber Entscheidungen treffen kann.

In manchen Beziehungen gibt es Menschen, die den anderen für ihr Glück und ihre Freude verantwortlich machen. Manchmal hören wir “Ich suche einen Mann/eine Frau, die mich zum Lachen bringt und mich glücklich macht“ Schon von Anfang an läuft hier etwas schief, denn das Gelingen einer Beziehung scheint auf der Schulter des anderen zu liegen. Die Frage ist eher, was trägst du dazu bei, damit wir in dieser Beziehung glücklich und lachend miteinander auskommen?

Also, Gott will nicht, dass man in kollektiver Schuld steht, sondern jeder ist für sein Tun zuständig und verantwortlich. Wer aber schuldig geworden ist, muss an sich nicht sterben, sondern erhält auch die Möglichkeit zur Reue und Umkehr. Ezechiel macht klar, dass das Tun und Handeln des einzelnen nicht Tod oder Leben bedeuten. Der Tod kommt, wenn man ungerecht handelt und das Leben geht weiter, wenn man sich gerecht verhält. Selbst wenn man eigentlich den Tod verdient hätte, kann man immer noch zum Leben gelangen, wenn man zur Umkehr bereit ist. Das Volk Israel kann die Verantwortung weder an Gott noch an die frühere oder spätere Generation abschieben. Jeder einzelne soll vielmehr umkehren und den Weg zu Gott finden.

Wie ist es dann mit der kollektiven Schuld und wie erklärt sich mach politischer Vorstoß im Land zum Beispiel die Konzern-Initiative oder wenn eine Schweizer Firma im Ausland billig produziert und jede Umweltverantwortung außer Acht lässt? Wie steht es mit der Verantwortung des Landes hier? Hier gibt es schon eine kollektive Schuld, welche aber aus einzelner Verantwortung resultiert. Wenn das Individuum hier schweigt und solche Ausbeutung duldet, dann macht es sich schuldig!

Gott ist auf seine Weise gerecht, da er den Tod des Schuldigen nicht will, sondern dass er umkehrt und lebt. Dazu ist er barmherzig. Das Volk Israel soll in der Krise nicht zum Tod trauern, sondern soll sich dem Gott zuwenden, der ihnen einen neuen Anfang schenkt!  Ezechiel bringt darum eine positive Botschaft. Gott bestraft die Sünder nicht auf ewig, sondern sie können einen neuen Anfang mit Gott wagen, da er barmherzig ist und Geduld mit den Sündern hat…Amen.


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