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2. Fastensonntag Jahr B- Predigt

2. Fastensonntag im Jahreskreis B, Pfungen 28. Februar 2021

In jenen Tagen stellte Gott Abraham auf die Probe (Gen 22,1)

Liebe Mitchristen,

Im hohen Alter soll sich Abraham noch einmal auf den Weg machen. Als ob das nicht reichte, stellte Gott ihn noch auf die Probe! Er soll seinen einzigen Sohn hergeben. Den Sohn, den ihm Sarah nach langen Jahren des Wartens geboren hat. Der Sohn, auf dem eigentlich Gottes Verheißung ruht, seine Nachkommen zahlreich zu machen! Diese Aufforderung Gottes weckt Widerstand in uns, ja Empörung. Man möchte fast eingreifen und Abraham vor dieser Probe retten.

Wir fragen uns, wie kann ein Vater so hart sein, dass er bereit ist, seinen einzigen Sohn Gott zu opfern? Was für ein Gott verlangt dies von seinem Freund Abraham? Hat Gott das nötig? Warum möchte Gott überhaupt Abraham auf die Probe stellen, wenn er allwissend ist? Erinnern wir uns noch, dass sogar Isaak den Vater gefragt hat, wo das Tier für die Opferung ist und Abraham könnte ihm jetzt mal eine klare Antwort geben! Hast du dir mal überlegt, wie das Verhältnis zwischen Abraham und Isaak sein wird, nachdem er mit eigenen Augen gesehen hat, dass sein Vater Abraham ihn  tatsächlich umbringen will, „schlachten will“?

Zwar wissen wir aus der Erzählung, dass es am Ende gut ausgegangen ist und Gott daraus seine Verheißung erneuert hat. Doch stellt diese Erzählung uns vor eine Herausforderung und die Frage nach dem Gottesbild. Dieses Gottesbild könnte durchaus der Grund sein, warum Papst Franziskus einmal vor 3 Jahren das Vater Unser umschreiben wollte. Die Übersetzung „und führe uns nicht in Versuchung“ wollte er umschreiben in „lass mich nicht in Versuchung geraten“. Er meint, ich bin es, der in Versuchung gerät und nicht Gott, der mich in die Versuchung führt. Denn ein Vater macht so was nicht, ein Vater rettet und hilft. Nur der Satan führt in Versuchung, meinte er!

Diese Auffassung löste eine heftige Reaktion unter Theologen aus. Der Bibelwissenschaftler Thomas Söding sah sich veranlasst Stellung zu nehmen. Er warnt vor der Gefahr, unangenehme Stellen in der Bibel zu streichen oder geradezubiegen oder passend zu machen. Wir können nicht den anstößigen Teil des Gottesbildes abschleifen oder ausblenden, weil es uns nicht passt. Die Prüfung des Menschen durch Gott sehen wir in Abraham und in Ijob und er gehört zum wesentlichen Teil der Bibel. Gott ist der Retter, aber auch Gottes Art zu retten verlangt von dem Geretteten manchmal maximal etwas ab. Es sind die schwarzen Löcher, die sich in jeder Glaubensbiografie auftun! Beispielweise sind das Ereignisse, welche uns manchmal an der Gottesliebe zweifeln lassen. Wie etwa die Naturkatastrophen, plötzliche Todesfälle, schwere Krankheiten oder die gegenwärtige Pandemie! Er argumentiert weiter: Die Tiefe des christlichen Gottesbildes liegt darin, dass wir Menschen durch den Tod zur Auferstehung gelangen. Jesus erlebt diesen schweren Moment der Versuchung in der Gottesverlassenheit am Kreuz. So erging es Abraham und Ijob und es scheint ein Bestandteil des Glaubens zu sein.

Abraham hat seine Bewährungsprobe bestanden. Und wie ist es mit uns? Was ist dir sehr wichtig im Leben? Wärest du bereit, das Wichtigste Gott zu opfern? Wir sind nicht so stark wie Abraham. So sollen wir eher beten, dass wir nicht in Versuchung geraten. Und wenn doch, Gott möge uns die Kraft und die Gnade geben, dies zu bestehen, dass wir am Ende Gott „Abba“ nennen dürfen... Amen.


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