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6. Ostersonntag im Jahreskreis C- Predigt

6. Ostersonntag im Jahreskreis C, Pfungen 22. Mai 2022

Der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzulegen (Apg 15, 28)

Liebe Mitchristen,

Das erste Konzil von Jerusalem ist ein besonderes Konzil und es zeigt, wie die Kirchen damals mit Konflikten umgegangen sind. Zuerst ist es wichtig, den Grund des Streits zu wissen. Wir erinnern uns, wie der Heide und Hauptmann Cornelius getauft wurde und der Heilige Geist auf ihn und seine Familie herabkam, sowie auf alle, die das Wort Gottes gehört haben. Nun kamen nicht beauftragte Juden Christen, also einige Männer von Judäa, und begannen zu den Heidenchristen zu predigen, dass die Beschneidung notwendig ist um gerettet zu werden. So brach ein theologischer Konflikt zwischen den Juden Christen, die das mosaische Gesetz der Beschneidung halten wollten und den Heiden Christen aus, welche dieses Gesetz nicht halten wollten.

Eine Gesandtschaft wurde deshalb zu den Aposteln nach Jerusalem gesandt. Man diskutierte dies dort gründlich aus, dann wurde Judas und Silas zu Paulus gesandt, um den Beschluss des Konzils bekanntzumachen. Es empfiehlt sich das gesamte Kapitel von 15 zu lesen, weil man heute von der Lesung den Eindruck bekommt, als gäbe es einfach ein Dekret von Jerusalem an die Heiden Christen. Dabei hat die Lesung die ganze heftige Auseinandersetzung und Diskussionen ausgelassen, bis man zu einem Kompromiss gelangt ist.

Sowohl vom theologischen Inhalt der Streitfrage als auch von der Art und Weise, wie der Konflikt gelöst wurde, ist dies bis heute aktuell und könnte ein gutes Modell für unsere zahlreichen derzeitigen Konflikte in der Kirche sein. Schön wäre, wenn die Kirche in ihrem Umgang mit den jetzigen Konflikten und Meinungsverschiedenheiten sich an die Wege der Urkirche halten würde. Interessant ist die Tatsache, dass manche Unruhenstiftern, die nicht beauftragt wurden, diesen Konflikt verursacht haben, in dem sie eigenmächtig die Heidenchristen zwingen wollten, die Bescheidung als Kriterium um gerettet zu werden, gelten zu lassen.

Nun sagt das Konzil von Jerusalem den Heidenchristen, dass die Beschneidung nicht sehr wichtig sei, um gerettet zu werden. Jedoch sollen sie auf Götzenopferfleisch, Blut, Ersticken und Unzucht verzichten. Es handelt sich hier um ein jüdisches Brauchtum und Schutz des Lebens. Schutz vor unbedachten Vermischungen von Opferkulturen anderer Religionen, Schutz des Lebens und Vermeidung von Blut, welches damals als Sitz des Lebens galt. Schutz des Mahls durch Beachtung jüdischer Regeln für die Schlachtung von Tieren und zuletzt Schutz von Ehe und Liebe, sowie die Verbote vor Liebe zwischen nahen Verwandten. Wir beobachten, dass durch diesen Kompromiss und dem Resultat des Konzils eine Ausbreitung des Christentums bis zu uns erst ermöglicht wurde. Ohne dies wäre das Christentum nur eine jüdische Sekte geblieben.

Auch merken wir, obwohl die Kirche viele Konflikte in ihrer Geschichte kennt, dass sie heute eher als ohnmächtig und orientierungslos, taktierend und hilflos dasteht, was manche Menschen deshalb eher aus der Kirche austriebt, selbst wenn ihnen der Glaube an Jesus wichtig erscheint.

In der Lösungssuche ist es wichtig, eine Balance zwischen Einheit und Vielfalt zu finden. Wie viel Vielfalt verträgt die Einheit und welche Glaubenssätze sind unbedingt notwendig um die Einheit zu bewahren! Es ist wichtig, Respekt vor den unterschiedlichen Prägungen kultureller und ethischer Art zu haben, und Aufmerksamkeit und Schutz vor dem, was uns über die Verschiedenheiten hinweg verbindet. Der tschechische Theologe Tomas Halik fragte in diesem Zusammenhang zu Recht: Wie viel Einheit ist nötig und wieviel Verschiedenheit ist möglich. Hoffentlich hilft der Geist Gottes dies leichter herauszufinden…Amen.

 

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