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10. Sonntag Jahr B- Predigt

10. Sonntag im Jahreskreis B, Pfungen 6. Juni 2021

… denn sie sagten, er ist von Sinnen (Mk 3, 21)

Liebe Mitchristen,

Die Familie ist eines der wichtigsten Bande und Fundamente, welche wir Menschen haben. Als wir die Firmlinge fragten, was für sie im Leben heilig und wichtig sei, da haben die meisten die Familie an die erste Stelle gestellt. Es überrascht eigentlich nicht, denn das ist die erste Beziehung und Gemeinschaft, der wir von Geburt an und hoffentlich ein Leben lang angehören. Wir können unsere Familie nicht aussuchen, wir werden da hinein geboren. Im Grunde genommen, und wenn man Glück hat, bleibt die Familie der Ort des Vertrauens und der Liebe, der Ort, wo wir uns geborgen und dem wir uns ein Leben lang verpflichtet fühlen. Man geht miteinander durch dick und dünn.

In der Pubertät beginnen wir uns von der Familie teilweise abzunabeln und unsere eigenen Wege zu entdecken. Dieser Schritt ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung jedes Menschen. Man probiert vieles aus, wir erkunden vor allem die Grenzen unseres Gehorsams gegenüber unseren Eltern. Dieser Prozess und diese Phase sind für Vater und Mutter nicht immer leicht.

Heute begegnen wir der Familie Jesu, «die heilige Familie», wie sie genannt wird. Seine Zeitgenossen wissen, wie Jesus auf die Welt gekommen ist und kennen seine Mission auf Erden. Eigentlich erwartet man von ihnen, dass sie Jesus bei seinem Missionsauftrag unterstützen. Ihre Rolle im heutigen Evangelium überrascht und ist eher irritierend. «Der spinnt doch», «der ist doch nicht mehr ganz dicht», «der ist doch bekloppt» «der ist vom Beelzebub oder Satan besessen» «der ist von Sinnen», kurz, er ist sozusagen verrückt! Das sind die Urteile der Familie Jesu und natürlich die der Schriftgelehrten. Wohl gemerkt, Jesus war am Anfang seiner Mission, und viele Menschen kamen zu ihm wegen seiner Heilungen und Predigten.

Nun, seine Familie will dem Treiben Jesu ein Ende setzen und macht sich auf dem Weg zu ihm, um, wenn nötig, ihn mit Gewalt zurück zur Vernunft zu bringen und ihn in ihre Gemeinschaft zurückholen. Die Motive für dieses Verhalten sind unterschiedlich. Vermutlich verstehen seine Angehörigen Jesus nicht mehr, selbst wenn man ihm am Anfang unterstützt hat. Es kann auch sein, dass die Familie Jesu wegen seines Verhaltens gekränkt ist, sie die ihre Ehre wieder herstellen. Denkbar ist auch, dass seine Familie ihn vor sich selber schützen will, denn man hört auch, dass Jesus manchmal gar keine Zeit mehr zum Essen hat! Die Schriftgelehrten haben ihrerseits andere Motive, denn seine Lehre gefährdet die religiöse Ordnung, und sie wollen das nicht dulden. Auf jeden Fall erweist sich seine Familie nicht als Hilfe und Mitträgerin seiner von Gott erhaltenen Mission, was uns sehr erstaunt.

 

Die Reaktion Jesu zu diesen Vorwürfen ist eher radikal und für uns auch störend. Kann es sein, dass Jesus seine geliebte Mutter Maria ignoriert? Unglaublich, oder nicht? Jesus geht noch weiter und verleugnet quasi seine Familie. Wie schmerzhaft musste dies für Maria wohl sein? Wir gehen davon aus, dass Josef nicht mehr am Leben war, denn er wird in dieser Erzählung nicht erwähnt. Jesus ist so radikal und definiert "Familie" neu, nämlich: alle, die den Willen seines Vaters tun, an ihn glauben und Jesus zuhören, sind seine Familie! Jesus redet nicht mehr von der biologischen Familie, sondern von der geistlichen, von denen, die den gleichen Glauben teilen, getauft und in Gemeinschaft mit ihm sind. Er hebt diese neue Familie hervor.


Im Grunde genommen sagt er, warum man wegen dieser neuen Familie auf die biologische durchaus verzichten könnte. Vielleicht hilft uns das Evangelium eine Antwort auf die Frage zu finden, wer denn für uns heute Bruder und Schwester ist! Hoffentlich nicht nur die Mitglieder unserer biologischen Familie, sondern auch die Menschen, die mit uns den Glauben teilen und in Gemeinschaft mit uns leben. Mögen uns unsere Familien nicht ein Hindernis auf dem Weg des Glaubens sein…Amen.

 

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