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Geburt

Franziska Krähenmann, Dr. med. Leitende Ärztin auf der Geburtshilfe Bei meiner Arbeit in der Geburtshilfe habe ich es mit verschiedenen Religionen zu tun. Interkulturelle Fragen und Rituale interessieren mich. Eltern und ihre Kinder brauchen gerade in schwierigen Situationen Sicherheit und … weiterlesen

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2.Fastensonntag Predigt

2. Sonntag im Jahreskreis B, Pfungen, 25. Februar 2018

Das Opfer oder Erprobung Abrahams (Gen 22, 1ff)

 

Liebe Mitchristen,

 

Wir haben mit einem sehr umstrittenen Text zu tun heute. Schon der Titel sagt es. Liegt die Betonung auf der Opferung Isaaks oder auf der Erprobung des Gehorsams seines Vaters? Braucht Gott menschliche Opfer überhaupt? Was für ein Vater schlachtet seinen Sohn, bloss weil er offenbar die Stimme Gottes vernommen hat? Natürlich gibt es theologisch heute keine einheitliche Deutung dieser Begriffe. Während die einen die Opferung betonen und somit die Tradition und die jüdische Sicht verdeutlichen, gehen andere eher auf die Prüfung Abrahams ein, was sicher moderner und angenehmer ist. Dazu trifft diese Sichtweise auch das Kernthema besser, denn es heisst: „Nach diesen Ereignissen stellt Gott Abraham auf die Probe“(Gen 1,1)

 

Jedenfalls wurde Abraham zweimal eine Verheissung zugesprochen für seine Treue und sogenannte Gottesfurcht, dies als Belohnung für seinen Gehorsam gegenüber Gott. Abraham wurde gesegnet, und später erstreckte sich dieser Segen über alle Völker. War das Ziel, die Gottesfurcht Abrahams auf die Probe zu stellen, so hat er diese Prüfung bestanden.

 

Bemerkenswert sind die Reaktionen von Abraham und von Gott. Während Abraham unbeirrt zur Tat schreitet, wirkt Gott selber nervös und wir, die Gläubigen, ebenfalls. Man hält diese Situation kaum aus, ein Vater, der seinen Sohn umbringen will und fest dazu entschlossen ist! Gott dagegen entscheidet sich, Isaak zu retten und somit, theologisch betrachtet, als ein rettender Gott zu erscheinen, selbst vor dem Tod.

 

Einen Aspekt möchte ich hier noch erwähnen. Es stimmt nicht ganz, dass Abraham nur einen Sohn hatte, denn gemäss Kapitel 21 wurden Ismael und seine Mutter Hagar aus dem Haus Abrahams vertrieben, und somit blieb Isaak als einziger Sohn zurück. Gott will offenbar prüfen, ob Abraham, nachdem er seinen ersten Sohn Ismael vertrieben hat, auch noch bereit sei, seinen zweiten Sohn Isaak zu verlieren, ja zu opfern! Mit der Tötung von Isaak wäre die Verheissung Gottes Abraham gegenüber erloschen, und dies konnte Gott natürlich nicht zulassen. Deshalb schreitet er zur Rettung Isaaks ein!

 

Vergessen wir nicht, dass Isaak eigentlich die Verheissung Gottes an Abraham und Sarah ist. Wir merken, dass die Erzählung, egal wie man sie liest, kein gutes Licht auf Abraham wirft. Wir solidarisieren uns nämlich alle mit dem armen Isaak, der ahnungslos sogar das Holz für seine Opferung selber trägt! Die Bibelwissenschaftler betonen jedoch die Gottesfurcht Abrahams und seine Bereitschaft auf die Verheissung von einst zu verzichten.

 

Erlösend und beruhigend auf uns wirkt deshalb die regionsgeschichtliche Deutung dieses Textes, nämlich eine Wendung vom Kindesopfer zum Tieropfer. (Heute hätten wir freilich den Protest von Tierschützern am Hals). Bereits im Alten Testament wird diese Praxis als heidnisch bezeichnet (vgl Lev 18,21, Deut 12.31). Selbst diese religionsgeschichtliche Deutung ist unter Theologen umstritten. Die jüdische Tradition sieht die Opferung Isaaks als Sühne für die ganze Menschheit und folglich auch als Segen für alle Völker.

 

Paulus knüpft auch an diese Tradition an und sieht eine Ähnlichkeit zwischen dem Opfer Isaaks und demjenigen Jesu. Die Kirchenväter und die christliche Kunst sehen Isaak als Vorbild für Jesus Christus, denn Isaak trug das Holz für seine Opferung und Jesus sein Kreuz ebenfalls. Gott selber greift in beiden Fällen ein als der Retter vor dem Tod.

 

Was nehmen wir mit nach Hause? Wichtig ist jedenfalls zu betonen, dass diese Erzählung nicht als historische Darstellung zu verstehen und somit nicht wortwörtlich zu nehmen ist. Wichtig ist auch die Bereitschaft Abrahams auf das zu verzichten, was ihm teuer und lieb ist, nämlich auf seinen einzigen versprochenen Sohn Isaak. Gott erweist sich als der treue Gott, der seine Versprechen hält und, wenn nötig, als rettender Gott auch direkt eingreift. Abraham vertraute auf Gott, und es fragt sich, wie weit wir Gott vertrauen, besonders in dieser Fastenzeit. Der Text ist darum eine Einladung dazu, dieses Vertrauen immer wieder zu erneuern und zu vertiefen. Ich wünsche euch Kraft dazu…Amen


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